Backpacking

Usbekistan – Sightseeing und Party in Taschkent

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Endlich wieder ein richtiges Bett, keine Plumsklos und eine Dusche, die sofort heiß ist! Am letzten Tag gönnten wir uns ein vergleichsweise nobles Hotel im Zentrum von Tashkent. Von hier aus haben wir die Altstadt, mit ihren verschlungenen Gassen (ideal zum Verlaufen!), das historische Museum mit einem englischsprachigem Guide (lohnt sich!) und noch ein paar nicht erwähnenswerte Sehenswürdigkeiten besucht. Und natürlich haben wir uns noch ein letztes Mal in das Menschengetümmel im Bazar gestürzt, um ein paar Leckereien für Zuhause mitzubringen. Einen derartig großen Bazar (über mehrere Gebäude und Ebenen) wie in Tashkent hatten wir in den letzten zwei Wochen noch nicht gesehen.

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Abends haben wir dann unsere Som gewinnbringend in einer Disco in russischem Bier und Vodka angelegt. Dabei hat sich leider der bekannte Unterschied zwischen Touristen-Preisen und Einheimischen-Preisen besonders deutlich gemacht. Wir haben pro Bier „nur“ 13.000 Som gezahlt, was genauso viel ist wir der offizielle Eintrittspreis (sowohl für Einheimische als auch für Touristen) von 3€. Dieser Eintritt ist für usbekische Verhältnisse schon wirklich teuer – und für ein Bier haben Einheimische auch definitiv keine 13 Scheine auf den Tisch gelegt so wie wir. Ein spanischer Expatriot, der länger in Tashkent lebt und Stammgast in der Disco ist, hat mir dann erzählt, dass das Bier hier wirklich sehr teuer ist und er immer 26.000 Som (also doppelt so viel wie wir!) pro Bier zahlt. Der Arme! Außerdem sagte er, dass selbst Kurze Vodka sehr sehr teuer sind. Das konnten wir nicht glauben und haben einem Einheimischen beim Vodka-Bestellen über die Schulter geschaut: zwei Kurze Vodka kosten 6.000 Som (1,50€). Als wir beim selben Barkeeper (ich nenn ihn der Einfachheit halber mal Igor) auch zwei Kurze bestellt und direkt mit einem süffisant wissenden Lächeln sechs Scheine auf dem Tresen drapiert haben, hat Igor erstmal gezögert. Nach unserem Fingerzeig zu den beiden Einheimischen hat Igor dann aber zähneknirschend aufgegeben und uns den Einheimischen-Preis gewährt!

Auf Grund mangelnder Russisch-Kenntnisse haben wir den richtigen Preis für ein Bier nicht mehr herausgefunden. Und weil daher eine Runde Bier genauso teuer wäre wie vier Runden Vodka, ist es unnötig zu erwähnen, dass dieser Abend ein russischer Abend wurde.

Igor hat mich dann später noch beim Wechselgeld beschissen und einen Schein zu wenig herausgegeben. Da mir das Kleingeld ziemlich egal war und ich aber wissen lassen wollte, dass mir sein kleiner Wechselgeld-Betrug durchaus aufgefallen ist, hat Igor sein unverdientes Trinkgeld dann in Form meiner persönlichen Interpretation von Sido’s arrogantem „Fuffies im Club“ bekommen. Igor hat geguckt wie ein kaputtes Auto, als die Scheine vor ihm auf dem Tresen niedersegelten. Danach hat er mich nicht mehr bedient und Björn musste Drinks holen.

Typen wie Igor waren in den letzten zwei Wochen in Usbekistan und Tajikistan aber die absolute Ausnahme (wenn man mal von den Taxifahrern absieht, die in 80% der Fälle einen falschen Preis nannten, weil das Verhandeln zu ihrem Business dazugehört). Wir haben hier fast durchweg nette, herzliche und vor allem hilfsbereite Menschen kennengelernt, die es nicht auf unser Geld abgesehen haben. Dass ich es mir mit Igor verscherzt habe, war es mir wert! Sein Gesicht hättet ihr sehen sollen..

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Usbekistan – Fotoshooting in Denau

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Von Boysun sind wir nach Denau aufgebrochen. In Denau hatten wir die Wahl zwischen dem vermutlich schlechtesten Hotel in Usbekistan (Hotel Denau – wenn man den Berichten anderer Backpacker glaubt ist das ein ziemliches Drecksloch ohne funktionierende Dusche) und dem Hotel Eurasia. Wir haben uns für letztes entschieden und die knapp 40€ investiert in der Hoffnung auf eine heiße Dusche. Dusche war vorhanden – WLAN nicht.

Nach einem Geldtausch auf dem Schwarzmarkt (mit USD kommt man in Denau nicht weit und wir hatten fast keine Som mehr) und etwas Rumfragen bezüglich WLAN sind wir dann beim Supermarkt Yubilenyniy gelandet. Vom Kassierer Bobram (oder so ähnlich) haben wir dann nach einer per Google Translate geführten Unterhaltungen auch das WLAN-Passwort Denov12345 rausbekommen. Als wir uns auf dem Fußboden im Supermarkt-Foyer niedergelassen und Emails geschrieben haben, kam Bobram dann wieder und gab mir seine Email-Adresse (keine Ahnung warum). Nachdem ich seine Frage „Can you take photo, Mister?“ bejaht habe und meine Kamera hervorgekramt habe, hat er mit seinem Handy ein Foto von Björn und mir gemacht. Da bestand offensichtlich ein Missverständnis..

Später hat sich das WLAN dann noch kurz verabschiedet und Bobram hat dies vergeblich mit Google Translate versucht zu erklären (siehe Foto):

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Bis zu diesem Zeitpunkt dachten wir, Denau sei ziemlich langweilig. Dann sind wir auf den weitläufigen Basar gegangen und wollten uns zum Abendessen ein paar Lebensmittel kaufen. Häufig wollten die Händler unser Geld jedoch gar nicht annehmen, sondern bestanden darauf uns zu beschenken! Sonderlich häufig scheinen hier keine Touristen vorbeizukommen..

Meine lässig am Handgelenk baumelnde Kamera wirkte geradezu wie ein Usbeken-Magnet: innerhalb des knapp einstündigen Basarbesuchs wurde ich von circa einem Dutzend verschiedenen Händlern gebeten, sie zu fotografieren.

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Mit einer Tüte voller Süßigkeiten, Käse und Brot haben wir den Basar verlassen und den nächsten Grill angesteuert. Schnell hatten wir Tee und vier Schaschliks, was zusammen mit der Basar-Ausbeute unser entspanntes Abendessen werden sollte. Doch es wurde keinesfalls entspannt! Sehr schnell wurden wir von einigen Usbeken belagert, die unbedingt Fotos mit uns machen wollten, Telefonnummern und Adressen austauschen wollten (um uns bald in Hamburg zu besuchen) und einem Englisch-Lehrer, der uns unbedingt seine Schule zeigen wollte. Zwischendurch kamen junge Frauen, die Fotos von sich oder ihrem Baby wollten.

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Wir konnten die Masse schließlich davon überzeugen, dass wir zuerst die Schaschliks (und weitere Teigtaschen, die wir nicht bestellt hatten aber unbedingt probieren sollten) aufessen und danach die Fotos machen. Gesagt, getan. Die Usbeken waren geradezu Foto-verrückt und wir waren offensichtlich die totale Attraktion. Es wurden Fotos gefordert mit uns und allen anwesenden Senioren, mit vertauschten Mützen, mit den Damen, mit den Schaschliks und dann nochmal von vorne… Es war wirklich urkomisch! Nachdem wir dann irgendwann die Schaschlik-Bude verlassen und mit dem Fotoshooting offensichtlich viele Usbeken glücklich gemacht hatten, sind wir weiter in einen benachbarten Park spaziert. Die Usbeken dort waren auch sehr gesprächig – und ebenfalls sehr fotogen..

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Usbekistan – Expedition zum Teshiktosh

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Wir hätten in Boysun theoretisch den öffentlichen Bus um 11:00 nach Machay nehmen können (7.000 Som) und uns dann in dem wirklich sehr großen Bergdorf durchfragen können zu einem Dolmetscher, zu einer Gastfamilie und zu einem Guide nach Teshiktosh. Das hätte sicher zwei Stunden gedauert. Stattdessen haben wir die am Vorabend arrangierte Verabredung mit der Englisch-Lehrerin Munis genutzt. Munis war sehr hilfsbereit und hat uns einen Fahrer, einen Guide, eine Dolmetscherin (sie selber) und eine Gastfamilie organisiert!

Die Fahrt mit dem alten Soviet-Jeep von Boysun durch die Berge bis zur Gastfamilie in Machay hat knappe 2 Stunden gedauert und war wirklich abenteuerlich. In Deutschland wären derartige Straßen geschlossen! Die Familie hat uns wirklich sehr herzlich empfangen. Wir haben ein Zimmer mit zwei weichen Matte erhalten, auf denen wir unsere Schlafsäcke ausrollen konnten. Abends nach der Wanderung gab es ein leckeres Dinner im Kreise der Familie und morgens ein ausgiebiges Frühstück. Dank unserer Dolmetscherin waren endlich auch mal ausführliche Unterhaltungen möglich: über Obstanbau, Nutztierhaltung, Militär und die Parallelen zwischen der DDR und SSR (Usbekische Soviet Sozialistische Republik). Ich habe auf meinen Reisen noch nie so herzliche Menschen getroffen. Unseren Wunsch, ihnen wenigsten 10$ als kleines Dankeschön für Kost und Logie zu bezahlen, haben sie vehement abgelehnt. In dieser Kultur ist es noch üblich, Fremden einfach so Unterschlupf zu gewähren.

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Nach dem Check-In im einfachen Lehmhaus der Gastfamilie in Machay sind wir mit dem Jeep bis zum Beginn des Teshiktosh-Trecks gefahren und haben dort noch zwei Esel organisiert. Die Belegschaft für unsere kleine Expedition war nun komplett.

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Es gab dann noch ein klitzekleines Kommunikationsproblem („The Teshiktosh hike takes us about one hour. Maybe two hours.“). Die Wanderung hat insgesamt 6 Stunden gedauert, ging fast ausschließlich steil bergauf und in der zweiten Hälfte nur über unbefestigte Wege und über riesige Felsen! Alles in Allem war der Hike eine positive Überraschung – wenn auch sehr anstrengend. Zwischendurch gab es einen kurzen aber heftigen Schauer. Wir fanden Zuflucht unter einem Felsüberhang und konnten unsere durchnässten Klamotten an einem spontan angezündeten Lagerfeuer trocknen. Danach ging es weiter mit der wichtigen Information „Only three minutes until we resch Teshiktosh!“. Die 3 Minuten waren dann doch 30 Minuten und zeigten erneut, dass Entfernungen und Zeiträume in Usbekistan offensichtlich in anderen Dimensionen gemessen werden. Oder Usbeken haben einfach eine anderes Zeit-Verständnis.

Teshiktosh wurde in unseren Reiseführer Lonely Planet übrigens quasi nur in einem einzigen Nebensatz erwähnt. Es kommen monatlich durchschnittlich nur knapp 2 bis 10 Touristen hier her. Teshiktosh bedeutet in etwa „Loch im Felsen“ und besteht aus drei Höhlen, in denen Überteste von Neandertaler gefunden wurden. Die dritte Höhle ist am eindrucksvollsten, da sie einen Ausgang nach oben hat, den man mit einer Kletterpartie erreichen kann.

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Die Ausblicke während der Wanderung waren atemberaubend und eine Entschädigung für schmerzende Füße!

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Achso, bezahlt haben wir für den gesamten Ausflug 150.000 Som (40€) für den Fahrer, der sicherlich dem Guide etwas davon abgeben hat. Die Dolmetscherin wollte knapp 10€. Wir hätten auch das Doppelte bezahlt – denn der Trip war definitiv das bisherige Highlight! Für den Hike benötigt man definitiv einen Guide und als Dolmetscher (falls sie zufällig gerade in Boysun ist) beziehungsweise als Organisator können wir Munis (+998 946756304 oder +998 944661868) wärmstens empfehlen.

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Usbekistan – Es geht auch mit Händen und Füßen

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Von Samarkand hatten wir nun einen etwas längeren Trip vor uns über Shakhrisabz, dann Guzor und schließlich nach Boysun. Unsere tschechischen Freunde aus Khiva hatten wir bereits per Zufall in unseren Hostels in Bukhara und Samarkand wieder getroffen. Die beiden hatten trotz fließendem Russisch und langem Verhandeln für den knapp zweistündigen Trip nach Shakhrisabz 20.000 Som (5 €) statt den geforderten 25.000 pro Platz bezahlt. Außerdem mussten sie noch knapp 1 Stunde warten, bis der Taxi-Fahrer alle vier Plätze verkauft hatte.

Wir machten uns also auf ein interessantes „Gespräch“ mit den Taxi-Fahrern gefasst. Ausgerüstet mit einem Stück Papier („Shakhrisabz 2 x 15.000 Som“) hat es dann erstaunlicherweise keine 5 Sekunden gedauert, bis wir zwei Plätze hatten und die Fahrt losging. Offensichtlich hatte der Fahrer schon länger auf zwei weitere Mitfahrer gewartet und er hätte uns vermutlich auch für weniger Som mitgenommen. Es geht uns hierbei übrigens nicht darum, möglichst viel Geld zu sparen, sondern das Verhandeln ist hier Teil der Kultur und des Reise-Erlebnisses.

Wir hatten dann knapp 7 weitere Mitfahrer: eine ältere Dame (ich nenn sie jetzt mal Big Mama , weil sie die Hälfte der Rückbank belegte), ein Huhn und ein Vogel in Big Mama’s Tüten zwischen unseren Füßen, der Mann von Big Mama und einige Wellensittiche in seiner Kiste. Auf dem Weg hat Big Mama dann noch haufenweise Rhabarber eingekauft und ne Runde ausgegeben.

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Die knapp zweistündige Fahrt von Shakhrisabz nach Guzor hat dann nur noch 7.000 Som pro Platz gekostet. Außer uns war noch ein achtzehnjähriger Clown und ein junges Mädchen mit an Board. Nach mehreren Unterhaltungen per Zeichensprache, Handyfotos und Taschenrechner hat der Clown tatsächlich noch versucht, Björn mit dem Mädel zu verkuppeln..

In Guzor wurden wir direkt an den nächsten Fahrer übergeben. Wir waren bereits 3 Mitfahrer (der Clown war auch noch mit dabei) und hatten keine Lust auf einen vierten Mitfahrer zu warten. Daher zogen wir eine unser vorbereiteten Joker-Karten („сколько стоит, если мы платим за оставшиеся места и немедленно уехать?“) und die Fahrt konnte sofort losgehen.

Nach knapp 3 amüsanten Stunden mit unsren neuen Freunden sind wir in Boysun angekommen und checkten in das einzige (wirklich grottige) Hotel im Stadtzentrum ein. Das einzig Positive: seit vier Tagen gab es endlich mal wieder eine warme Dusche! In Boysun haben nun erneut die typisch usbekische Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit zu spüren bekommen. Wir mussten nun unseren Trip in das Bergdorf Machay, die Wanderung nach Teshiktosh und einen Homestay in Machay für den nächsten Tag zu organisieren. Mit Hilfe einer weiteren Joker-Karte („нам нужен руководство отправиться в поход, чтобы Teshiktosh.“) hatten wir bald Telefonnummer und Namen von Familien in Machay, bei denen wir wohnen könnten. Außerdem hatten wir eine usbekische Englisch-Lehrerin am Handy eines Einheimischen und verabredeten uns für den nächsten Vormittag mit ihr. Beim abendlichen Streifzug durch die spartanischen Gaststätten in Boysun haben wir dann noch den englischsprachigen Bürgermeister von Boysun kennengelernt und er hat uns noch eine weitere Adresse in Machay gegeben. Mit Russisch-Kenntnissen wäre alles sicherlich einfacher gewesen. Aber wir waren uns sicher, dass wir mit Händen und Füßen genug erreicht hatten, um den Trip nach Teshiktosh morgen hinzubekommen!

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Usbekistan – Verlaufen im jüdischen Viertel von Samarkand

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In Samarkand haben wir – nach etwas Suchen und Fragen – durch ein scheinbar vor Touristen verstecktes Tor in das jüdische Viertel gefunden. Nach ein paar weiteren Unterhaltungen in Zeichensprache und gebrochenem Englisch haben wir dann auch die alte Synagoge gefunden. Ein alter freundlicher Herr auf der Straße hat dann dem Rabbi Bescheid gesagt – und fünf Minuten später haben wir vom Rabbi persönlich eine Führung durch die Synagoge bekommen. Er war sichtlich stolz auf die vielen Toras und auch sehr gesprächig.

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Auf dem Rückweg aus dem jüdischen Viertel heraus wollten wir einen anderen Weg nehmen. Dies hat sich schnell als kompliziertes Unterfangen herausgestellt. Zum Glück trafen wir ein paar Kids (8 bis 12 Jahre), die sich offensichtlich riesig freuten, mit uns Englisch zu sprechen. Erstaunlicherweise sprachen sie besseres Englisch als viele Usbeken, die wir bisher trafen. Den Ausweg aus dem Viertel mit seinen verschlungenen Gassen haben uns die Jungs schließlich auch gezeigt und zwar durch den Hinterhof und die Flure ihrer Grundschule! Sie wollten uns noch bis zum Registan und dann zu unserem Hotel begleiten. Davon konnten wir sie nur mit ein paar Süßigkeiten und klaren Worten abbringen.

Achso, die eigentliche Sehenswürdigkeit in Samarkand haben wir uns neben dem Bazar und der Bibi-Khanym Moschee natürlich auch noch angesehen: The Registan. Dies sind die drei eindrucksvollsten Medressas (Koranschulen), die man in ganz Usbekistan (und vermutlich im gesamten Zentral-Asien) findet! Leider erfolgten gerade Bauarbeiten, sodass wir nicht reingekommen sind, sondern nur einige Blicke über den Bauzaun erhaschen konnten. Und das Versprechen eines offensichtlich korrupten Polizisten hat dann leider doch nicht funktioniert („You can get in tonight at 8 PM for 7,50$. But it’s a secret! Only for you!“). Scheinbar wussten seine Kollegen, die abends den Bauzaun bewachten, nichts von diesem Geheim-Eintritt… oder sie waren einfach nicht korrupt genug!

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Usbekistan – Bei Einheimischen im Bergdorf

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Vom Yurt Camp sind wir nach dem Frühstück in das 140 km entfernte Bergdorf Asraf gefahren. Auf dem Weg haben wir mehrere Dutzend Wüsten-Schildkröten gesehen, die langsam die Straße überquert haben. Scheinbar ein klein wenig lebensmüde..

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Im Bergdorf Asraf sind wir bei einer Familie (Yahshigul’s Homestay) in einer kleinen Lehmhütte untergekommen. Unser Gastgeber Rakhmat sprach sogar etwas Englisch. Die Familie versorgt sich (und uns) größtenteils selber durch die angebauten Lebensmittel und durch die eigene Tierhaltung. Rakhmat’s Mutter hat zum Beispiel gerade Ziegenkäse-Kugeln gemacht – sehr lecker!

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Bei einem Spaziergang mit Rakhmat durch das Dorf haben wir einige interessierte Kinder und Ältere getroffen. In Asraf wohnen nur 18 Familien. Fließendes Wasser bekommen die Familien von dem kleinen Fluß, der durch das Dorf fließt. Gekocht wurde an der Feuerstelle, Elektrizität war Mangelware und die Dusche kalt. Klingt erstmal spartanisch. Aber wir haben uns wirklich sehr gut mit Rakhmat und seiner Familie verstanden, sodass wir gut auf den ganzen Luxus verzichten konnten. Schließlich hatten wir Kerzen – und wer braucht schon eine warme Dusche…

Achso, eine kurze, knapp vierstündige Wanderung im Nuratau Gebirge (in dem sich das Dorf befindet) haben wir mit Rakhmat auch noch gemacht. Am höchsten Punkt gab es dann großartige Aussichten auf die Kyzylkum Steppe und auf den weit entfernten Aidarkul See.

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Usbekistan – Im Yurt Camp

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Unsere Weiterfahrt von Bukhara in das Yurt Camp beim Dorf Dungalak am Aidarkul See hatten wir bereits am Vorabend mit einem Taxifahrer ausgehandelt. Für Fahrten zum Aidarkul werden in der Regel über 100$ verlangt. Wir sind die Sache andersrum angegangen und haben uns auf 25$ pro 100km geeinigt und ihm erst danach die geplante knapp 240km lange Route auf der Karte gezeigt, sodass wir uns für die Tour auf 70$ einigen konnten. Begleitet von etwas Modern Talking, haufenweise Andere-Kultur-Musik und mehreren Unterhaltungen in Zeichensprache sind wir innerhalb von 5 Stunden pünktlich zum Mittag im Yurt Camp angekommen.

Die Wüste rund um das Yurt Camp gleicht aufgrund vorangegangener Regenfälle größtenteils eher einer grünen Steppe mit kleinen sandigen Wüstenabschnitten. Die unglaubliche Nachmittagshitze ließ sich jedoch nun im Mai nur gut aushalten im Schatten auf gemütlichen Matten und Kissen mit Tee, entspannter Musik, Mittagsschlaf und dem Rauschen des Wüstenwindes. Fast wie ein Tag am Meer – nur ohne Meer. Ich will nicht wissen, wie heiß und wie karg es hier erst im Sommer wird..

Wir sind dann noch zum 14 km entfernten Aidarkul See gefahren und haben danach eine kurze Wanderung in der Steppe beim Yurt Camp unternommen. Abends gab es ein gemütliches Lagerfeuer mit Gitarren-Begleitung (usbekische Country-Musik?), Vodka und einem spektakulären Sternenhimmel. Einige einheimische Touristenführer sprachen sehr gut Englisch und Deutsch, sodass wir an dem Abend sehr viel über Land und Leute erfahren haben. Außerdem war es auch recht lustig, da eine japanische Backpackerin eindrucksvoll (=peinlich) bewiesen hat, dass sie zu viel Vodka intus hatte. Am nächsten Morgen war sie nicht beim Frühstück – vermutlich um den Gesichtsverlust zu vermeiden.

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Usbekistan – Bukhara und Architektur-Burnout

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In Bukhara gab es wieder haufenweise beeindruckende Architektur und Bauwerke (Moscheen, Medressas, Minarette etc.) zu bestaunen. Außerdem diverse Märkte, auf denen Einheimische Gold, Juwelen, riesige Teppiche, diverse Leckereien und vieles mehr kaufen. Diese haben wir erkundet zusammen mit einer Touristenführerin, die wir am vorherigen Abend angeheuert haben.

Früh morgens waren wir noch in einem richtigen Hamam (arabisches Dampfbad). Nachdem wir die einzigen dort anwesenden Einheimischen per Zeichensprache gefragt haben, was es kostet, haben wir dem Typen an der Kasse genau diesen Betrag gegeben (4000 Som = 1 Euro). Und er hat etwas mit den Augen gerollt, nichts gesagt und uns reingelassen. Das Dampfbad war Entspannung pur und außer uns waren nur drei ältere Herren dort. Als wir uns umgezogen hatten, kam der Typ von der Kasse wieder mit einer „Official Price List“. Er wollte dann 20.000 Som (5 Euro). Auch ohne russisch und usbekisch zu sprechen, machten wir ihm in fließender Zeichensprache und Englisch klar, dass er sich seine Preisliste sonstwohin stecken kann. In Ermangelung seiner Englischkenntnisse hat er dann auch sofort den Versuch abgebrochen, uns abzuziehen.

Abends sind wir noch mit dem Taxi in den südöstlichen Teil Bukharas gefahren, um ein zwei Bierchen in unbedeutenden provinzialen Gaststätten in der Piridastgir Street zu trinken. Als der Taxifahrer uns nach 10 Minuten Fahrt an einem anderen Ort absetzen wollte, realisierten wir, dass er die Karte, auf der wir ihm unser Ziel gezeigt hatten, wahrscheinlich gar nicht lesen konnte (Straßenname waren nicht mit kyrillischen sondern lateinischen Buchstaben geschrieben). Die Sprachbarriere zur Aufklärung des Mißverständnisses wurde kurzerhand überwunden, indem er uns seinen „Dolmetscher“ ans Telefon geholt hat.
Man kommt also auch ganz gut ohne Russisch und Usbekisch klar! Die Bierchen waren dann auch ganz lecker und die Gaststätten wirklich total provinzial und keinesfalls erwähnenswert. Der Rückweg klappte prima, da man als Fußgänger am Straßenrand alle paar Minuten von Autofahrern angehupt wird und für wenige Tausend Som mitfahren kann.

Um nun nicht bald besagten Architektur-Burnout zu erleiden, werden wir uns nun weit weg von jeglichen Bauwerken begeben. Morgen geht es auf eine 3-Tages-Tour in die Wüste und in das Nuratau Gebirge.

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Usbekistan – Durch die Wüste von Khiva bis nach Bukhara

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Von Khiva sind wir die knapp 450km quer durch die usbekische Wüste in nur knapp 6,5 Stunden zu viert für 70
USD per Taxi gefahren. Frühere Berichte anderer Reisender hatten uns auf eine bis zu zehnstündige Reise zu weitaus höheren Preisen (berichtet wurde von 20 bis 40 USD pro Person) vorbereitet. Anscheinend wurde die Straße jedoch mittlerweile sehr gut ausgebaut, sodass unser Fahrer fast durchgängig 120 km/h fahren konnte.

Zu Beginn hatte unser Fahrer offensichtlich noch vier Kurieraufträge abzuwickeln und wir stoppten auf dem Weg zwecks Übergaben: zwei Päckchen, geheimnisvolle Dokumente (Verträge?) und ein Käfig voller Wellensittiche. Letzteres sollte ich eigentlich während der Fahrt auf meinem Schoß festhalten. Ich gab ihm relativ klar zu verstehen, dass ich kein Bock auf Federvieh hab und mit etwas German Engineering hat der Käfig dann noch Platz im Kofferraum gefunden zwischen unseren vier Rucksäcken.

Der Weg durch die Wüste ging vorbei an kaputten Autos, die Straße überquerende Tiere (störrische Esel, Schafherden, lebensmüde Wüsten-Schildkröten und irgendwelche Nagetiere), wenigen Tankstellen und vereinzelten Straßensperren mit Polizeikontrollen. Wir wurden nicht kontrolliert. Teilweise war die Straße auch ziemlich mit Schlaglöchern übersäht oder vom Wüstensand bedeckt. Wir sind streckenweise auch direkt an der Grenze zu Turkmenistan entlang gefahren. Es gab ein paar beeindruckende Ausblicke auf die weite turkmenische Steppe. Alles in allem waren wir aber froh, endlich in Bukhara angekommen zu sein!

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Usbekistan – Die 50 Festungen

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Einige Kilometer im Umkreis von Khiva gibt es die sogenannten 50 Festungen, die wir zusammen mit den beiden Tschechen aus unserem Hostel heute besuchen wollten. Genauer gesagt hatten wir uns drei vom Lonely Planet empfohlene Festungen rausgesucht. Mit einem Shared Taxi ging’s nach Urgench und von dort haben wir uns für diese Halbtagestour einen Marshrutka-Fahrer organisiert. Das klappte recht zügig, da die beiden Tschechen gut Russisch sprachen.

Die Marshrutka war vom Typ „Damas“ – also eine Mischung aus einer Coladose und einem Roller. Für eine Halbtagestour kann man in diesem Sechs-Sitzet zu viert (plus Fahrer) gut drin sitzen. Im Normalbetrieb quetschen sich in Wetten-Dass-Manier jedoch knapp 7 bis 8 Leute in so ein Ding – nicht schön..

Besucht haben wir die der Wüstenfestungen Ayaz-Qala, Toprak Qala und Kyzyl Qala. Im Vergleich zu Khiva waren diese Festungen nicht sehr gut erhalten, aber genau das hat ihren Charme ausgemacht! In den Ruinen dieser mittlerweile teilweise zerfallenen Wüstenburgen fühlt man sich zurück versetzt ins erste bis vierte Jahrhundert A.D.

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Usbekistan – In der Oasenstadt Khiva

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In Nukus haben wir uns noch das Savitsky Karakalpakstan Art Museum angesehen. Es beherbergt die größte Kunstsammlung der ehemaligen Sovietunion.

Vom Nukus Bazar aus haben wir dann mit Händen, Füßen, Zettel, Stift und vorbereiteten Russisch-Sätzen ein Shared Taxi nach Urgench ergattert. Shared Taxis fahren erst los, sobald vier Mitfahrer in die selbe Richtung gefunden sind. Da wir keine Lust zu warten hatten, haben wir kurzerhand den leeren vierten Platz mitgekauft. Die Fahrt ging auf miserablen Straßen durch die Steinwüste und hat nur unglaubliche 2 Stunden gedauert! Ich hätte nicht gedacht, dass man auf solchen Straßen 130 km/h fahren kann. Unser Fahrer hat wirklich jedes Fahrzeug links liegen gelassen und sein imaginäres Rennen gegen die Zeit mit mehreren Runden Vorsprung gewonnen..

Von Urgench waren es nur noch knapp 30 Minuten mit einem weiteren Shared Taxi bis zur Wüstenfestung Khiva. Vor mehr als 1000 Jahren war Khiva eine Oase und ein Ort des Sklavenhandels. Die riesigen Stadtmauern, eindrucksvoll verzierten Tore, Minarette, Moscheen und Medressas sind wirklich sehr gut erhalten. Man fühlt sich, als wandelt man in einem Museum. Und beim Spaziergang oben auf der Stadtmauer weht einem die Mütze vom Kopf und der Wüstensand in die Augen – aufpassen!

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Abends haben wir uns in usbekischer Lebensart eine Flasche Vodka mit anderen Backpackern aus unserem Hostel (Tschechen, ein Ami, ein Deutscher) geteilt. Es war ein lustiger Abend und der gemeinsame Trip für den nächsten Tag war dann auch schnell geplant..

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Usbekistan – Der Schiffsfriedhof am Aralsee

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Nach drei Flügen über Moskau und Taschkent sind Björn und ich schließlich im Norden Usbekistans in Nukus angekommen. Bevor unsere Reise gen Südosten zurück nach Taschkent mit einem Abstecher über Tadjikistan beginnt, wollten wir noch im Norden den Schiffsfriedhof am Aralsee besuchen.

Naja, den Aralsee gibt es dank menschlichem Verschulden ja leider nicht mehr wirklich. Was von der Tragödie übrig ist, kann man sich aber in Moynak ansehen: ein knappes Dutzend alter gestrandeter verrosteter Stahlschiffe, die noch in den 70er Jahren zum Fischfang genutzt wurden. Bis die Usbeken dann auf die glorreiche Idee kamen, das Wasser aus dem Aralsee für die im ganzen Land forcierte Baumwoll-Monokultur abzuleiten und damit peu a peu einen der weltweit größten Seen fast komplett stilllegten.. Im nahe liegenden Museum gibts auch ein paar schöne Erläuterungen (sogar auf Englisch!) dazu.

Von Nukus nach Moynak sind wir per Taxi gefahren (ca. 2,5 Std pro Weg). Der Weg durch die karge Steinwüste glich mit seinen Schlagloch-Pisten und den überall am Horizont lodernden schwarz rauchenden Bränden schon ein bisschen der Szenerie vom Endzeit-Movie Madmax! Beeindruckend. Aber die Schiffe waren noch beeindruckender und den Weg wert!

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